Brückenbaupreis 2012

"Blaue Welle" in Flöha gewinnt Deutschen Brückenbaupreis 2012
Auszeichnung ging erstmals nach Sachsen

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Flöha. Der Hörsaal im Audimax an der TU Dresden hatte kaum noch freie Plätze. Rund 1300 Brückenbauer sind nach Dresden gekommen, um zu erleben, welche zwei Objekte mit dem Deutschen Brückenbaupreis 2012 ausgezeichnet werden. Ist die eingereichte Brücke ein ganzheitlich gelungenes Spitzenbauwerk und eine überragende Ingenieurleistung? Dies war die entscheidende Frage, die die zehnköpfige Jury zu ihrem Maßstab machte und letztlich sechs Brücken in zwei Kategorien nominierte. Die "Blaue Welle" in Flöha (Landkreis Mittelsachsen) gewann unter den Fußwegbrücken. Das Bauwerk wurde im Zuge der Verlegung der Bundesstraße 173 notwendig. Das s-förmig geschwungene "Band" überspannt die Gleise der Erzgebirgsbahn und sieht durch ihre Farbgebung wie eine "Blaue Welle" in der hügeligen Landschaft aus.

Frank Schmiedgen, Baubürgermeister von Flöha, freute sich riesig über die Anerkennung. Zum zweiten Mal macht die Kleinstadt mit außergewöhnlicher Baukultur bundesweit auf sich aufmerksam. 1997 gewann Flöha mit dem Neubau des Pufendorf-Gymnasiums den Deutschen Architekturpreis. "Die Auszeichnung wird viele Besucher anlocken", ist sich Schmiedgen sicher. Diplom-Ingenieur Frank Ehrlicher und sein Team musste mit einem schwierigen, natürlichen Umfeld fertigwerden. "Der große Höhenunterschied konnte nur durch den Schwung einer Serpentine bewältigt werden, damit die Brücke nicht zu steil ausfällt", erklärte Ehrlicher die baulichen Anforderungen in Flöha. "Es ist die perfekte blaue Welle" lobte Jens Karstedt, Präsident der Bundesingenieurkammer in seiner Laudatio. Konsequent durchgestaltet und errichtet, präge die "Blaue Welle" den neuen Bahnhofsbereich.

Die Eisenbahnbrücke "Scherkondetal" im Weimarer Land (Thüringen) gewann in der zweiten Kategorie. Die Brücke mit ihren schlanken Pfeilern überspannt die Scherkonde - einen Bach in einem riesigen Tal. "Ein Meilenstein im modernen Eisenbahnbrückenbau für Hochgeschwindigkeitszüge", fasste Jörg Thiele, Vizepräsident des Verbandes Beratender Ingenieure (VBI), die Leistung der Planer und Bauverantwortlichen in seiner Laudatio zusammen.

Der VBI und die Bundesingenieurkammer vergeben aller zwei Jahre den Deutschen Brückenbaupreis. Zum vierten Mal wurde in Dresden Baukunst der besonderen Art geehrt. "Es ist eine der größten Veranstaltungen ihrer Art in Deutschland", stellte anerkennend Jan Mücke, Parlamentarischer Staatssekretär im Berliner Bauministerium fest.

"Brückenbau ist die Königsklasse der Ingenieurbaukunst", so Thiele. Und immer noch meist männlich dominiert, wie ein Blick in den Hörsaal zeigte. "Nur etwa 25 Prozent in dieser Branche sind Ingenieurinnen", bestätigte der Chemnitzer Unternehmer.

erschienen am 12.03.2012 ( Von Grit Strietzel )
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